Handelt es sich wirklich um einen bösartigen Tumor?
Um welche Krebsart handelt es sich?
Wo sitzt der Tumor?
Wie weit ist die Krebserkrankung fortgeschritten – Gibt es Metastasen?
Wie ist der Allgemeinzustand des Patienten?
Welche Behandlung wird den größten Erfolg bringen?
Zunächst wird sich der Arzt im Gespräch ein Bild über die Krankheitsgeschichte und den bisherigen Verlauf der Krankheit verschaffen, beispielsweise mit Fragen nach früheren Krankheiten, Lebens- und Rauchgewohnheiten und möglichen Schadstoffen zu Hause oder am Arbeitsplatz.
Dann werden einige körperliche Untersuchungen durchgeführt. Dafür stehen dem Arzt mehere Diagnoseverfahren zur Verfügung:
Sputum-Untersuchung
Auswurf (Sputum) kann mikroskopisch auf veränderte Zellen geprüft werden. Diese Untersuchung ist wenig aufwendig, allerdings auch nur eingeschränkt aussagekräftig. Es müssen Proben von mindestens drei verschiedenen Tagen untersucht werden, am besten geeignet ist das morgens nach dem Ausspülen der Mundhöhle entwickelte Sputum.
Lungenkarzinome sind ab etwa einem Zentimeter Durchmesser als runde Herde erkennbar. Da solche Herde auch bei anderen Lungenkrankheiten auftreten können und Lungenkarzinome nicht immer durch charakteristische Veränderungen im Röntgenbild erkennbar sind, ist bei der Interpretation und Einschätzung der Bilder viel Erfahrung notwendig. Fehlbeurteilungen können dazu führen, dass die Erkrankung lange nicht behandelt wird.
Mit der Computertomografie können auch Bereiche der Lunge, die von anderen Strukturen des Brustraumes überlagert sind, erfasst werden. Bei unklaren Röntgenbefunden ist dieses bildgebende Verfahren zur genauen Bestimmung und Ausbreitung eines Karzinoms daher unverzichtbar.
Die Magnetresonanztomografie wird insbesondere dann eingesetzt, wenn eine Operationsmöglichkeit besteht und der Tumor gegen den Herzbeutel (Perikard), Gefäße, Wirbelkörper, die Thoraxwand oder den Rückenmarkskanal abgegrenzt werden soll.
Zur Untersuchung der Bronchien und ihrer Verzweigungen wird ein schlauchförmiges, biegsames, optisches Gerät (Bronchoskop) durch die Luftröhre eingeführt (über den Mund oder die Nase). Der Patient erhält für diese Untersuchung ein beruhigendes Medikament, außerdem werden die Schleimhäute des Nasen-Rachenbereiches, des Kehlkopfes und der großen Bronchien örtlich betäubt.
Ziel der Bronchoskopie ist es, Gewebeproben aus dem verdächtigen Areal zu entnehmen oder einzelne Zellen durch Spülung (Lungenlavage) oder Bürstenabstrich zu gewinnen.
Diese Proben werden histologisch bzw. zytologisch auf Veränderungen untersucht und erlauben eine Aussage, ob ein verdächtiger Befund gutartig oder bösartig ist.
Falls bei der Bronchoskopie keine aussagekräftigen Proben gewonnen werden konnten, kann eine Feinnadelbiopsie von außen unter computertomografischer Kontrolle durchgeführt werden. Dabei wird eine lange, dünne Nadel durch die Brustwand in den verdächtigen Bezirk geschoben und etwas Gewebe angesaugt.
Häufig sind bei einem Lungenkarzinom die Lymphknoten im Raum zwischen den Lungen (im Mediastinum) befallen. Ist es für die Therapiewahl wichtig, den Zustand dieser Lymphknoten genau zu kennen, kann eine Mediastinoskopie erforderlich sein. Dabei wird unter Narkose oberhalb des Brustbeins mittels eines kleinen Schnittes eine optische Sonde in den Raum zwischen den Lungenflügeln eingebracht und dieser auf Tumorbefall untersucht.
Wenn die vorher aufgeführten bildgebenden Verfahren noch Fragen offen lassen, kann eine PET durchgeführt werden. Dabei wird eine speziell markierte Zuckerlösung gespritzt und die Anreicherung in Stoffwechsel-aktivem Gewebe dargestellt. Tumore und Metastasen weisen meist einen gegenüber gesundem Gewebe erhöhten Stoffwechsel auf und heben sich dadurch im Bild vom gesunden Gewebe ab.
Zum Ausschluss von Fernmetastasen stehen außerdem das Knochenszintigramm sowie Ultraschalluntersuchungen (Sonographie) des Oberbauches (Leber, Nebennieren), Computertomografie von Schädel und Abdomen sowie gegebenenfalls Knochenmarkuntersuchungen zur Verfügung. Über die Basis- Laboruntersuchungen hinaus wird eventuell auch der Nachweis von Tumormarkern geführt.
Diese Bestimmung ist jedoch zur Diagnosefindung von untergeordneter Bedeutung und spielt eher als Verlaufsparameter eine Rolle.
Allgemein gilt: Erst die Untersuchung einer mittels Bronchoskopie oder Feinnadelbiopsie entnommenen Gewebeprobe zeigt, ob der Befund gut- oder bösartig ist. Anhand der Gewebeprobe kann auch die wichtige Unterscheidung getroffen werden, um welchen Tumortyp es sich handelt.
Es gibt den kleinzelligen und den nicht kleinzelligen Lungenkrebs, wobei diese Einteilung sich tatsächlich von der Größe der verschiedenen vorgefundenen Krebszellen ableitet. Die Unterscheidung ist deshalb so wichtig, weil ein kleinzelliger Tumor aufgrund seiner zellbiologischen Eigenschaften einen anderen Verlauf nimmt als ein großzelliger.
Kleinzelliger Lungenkrebs (etwa 20 Prozent der Fälle) hat im fortgeschrittenen Stadium wegen des schnellen Wachstums und der frühen Bildung von Tochtergeschwülsten eine schlechte Prognose. 80 Prozent der Patienten haben schon bei der Diagnosestellung Tochtergeschwülste (Metastasen). Nicht kleinzelliger Lungenkrebs (ca. 80 Prozent der Fälle) wächst meist lokal begrenzt und bildet weniger Metastasen. Er wird daher häufiger in einem Stadium entdeckt, in dem er noch heilbar ist. Er wird aufgrund seiner Feinstruktur weiter unterteilt in Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom und großzelliges Karzinom.
Da sich die Behandlung von Lungenkrebs nicht nur nach dem Tumortyp (kleinzellig/nicht kleinzellig), sondern auch nach dem Stadium des Tumors richtet, ist eine sorgfältige Bestimmung der Ausbreitung, sprich Stadium, sehr wichtig für die optimale Behandlung. Dazu müssen die Größe des Tumors und ein etwaiger Befall der Lymphknoten im Brustraum bestimmt werden. Außerdem muss geprüft werden, ob der Tumor schon Fernmetastasen (Tumorabsiedlungen in Organe außerhalb des Brustraums oder in einen nicht Tumor-befallenen Lungenlappen) gebildet hat.
Bei den kleinzelligen Lungenkarzinomen werden zwei Stadien unterschieden:
Im begrenzten Stadium findet man den Tumor nur in einem Lungenflügel.
Im fortgeschrittenen Stadium hat sich der Tumor auch außerhalb des Lungenflügels
ausgebreitet – beispielsweise in die Brustwand oder in die Lymphknoten an der
Aufgabelung der Luftröhre, oder er hat bereits in andere Organe gestreut.
Bei den nicht kleinzelligen Tumoren ist es komplizierter. Nach der internationalen TNM-Klassifikation wird der nicht kleinzellige Lungenkrebs entsprechend der Tumorgröße (T), dem regionalen Lymphknotenbefall (N) und der Bildung von Fernmetastasen (M) in bestimmte Stadien eingeteilt. Dabei werden die Stadien 0 bis IV unterschieden:
Stadium IA und IB (Bild 1)
Stadium IIIA und IIIB (Bild 2)
Stadium IV (Bild 3)
Stadium 0 ist die Vorstufe von Lungenkrebs, das sogenannte Carcinoma in situ. Ein Tumor ist in diesem Stadium kaum zu erkennen.
Im Stadium IA und IB (Bild 1) ist der Tumor auf einen Lungenflügel begrenzt.
Im Stadium IIA und IIB hat der Krebs zusätzlich mindestens einen Lymphknoten an der Wurzel des gleichen Lungenflügels befallen. Es gibt keine Hinweise auf Fernmetastasen in anderen Organen.
Stadium IIIA und IIIB (Bild 2) zeigt eine starke Tumorausdehnung in einem Lungenflügel. Befallen sind auch benachbarte und weiter entfernte Lymphknoten, zum Beispiel an der Lungenwurzel des anderen Lungenflügels. Fernmetastasen gibt es auch in diesem Stadium nicht.
Im Stadium IV (Bild 3) hat der Lungenkrebs Fernmetastasen in einem oder mehreren Organen gebildet. Tumorgröße, Tumorausdehnung und Lymphknotenbefall spielen darüber hinaus keine Rolle für die Stadieneinteilung.
Generell hängt die Prognose entscheidend vom Stadium, also von der Tumorausdehnung, ab. Je früher der Krebs entdeckt wird, desto besser ist die Prognose, den Krebs zu heilen. Auch bildet die Stadieneinteilung die Grundlage für die Therapieentscheidungen.
Manchmal ist eine exakte Stadieneinteilung erst nach einer Operation möglich, da das Ausmaß des Lymphknotenbefalls oft erst bei der Gewebeuntersuchung der operativ entfernten Lymphknoten deutlich wird.