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Nobelpreis für neue Krebstherapie

Ihre Entdeckung kann Leben retten: Am 10. Dezember erhielten der US-Amerikaner James P. Allison und der Japaner Tasuku Honjo den diesjährigen Nobelpreis für Medizin. Sie fanden heraus, wie die natürliche Immunabwehr unseres Körpers Krebszellen bekämpfen kann.

Grundsätzlich schützt das Immunsystem unseren Körper wie ein Wächter vor schädlichen Einflüssen, etwa vor Krankheitserregern und Schadstoffen aus der Umwelt. Im Idealfall greift es auch veränderte körpereigene Zellen an, wie zum Beispiel Krebszellen.

Allison und Honjo hatten jedoch zwei Proteine entdeckt, die wie eine Bremse auf das Immunsystem wirken und es somit davon abhalten, die Tumorzellen zu bekämpfen. Ihre Idee: Wenn es gelingt, die Bremse zu lösen, können die Immunzellen die Krebszellen attackieren. Erste Therapien, die auf diesem Konzept basieren, sind sogenannte Checkpoint-Therapien. Durch die eingesetzten Medikamente (Immun-Checkpoint-Hemmer) wird die Bremse gelöst, die das Immunsystem daran hindert, den Tumor zu bekämpfen. Das heißt: Den Krebszellen ist es nicht mehr möglich, das Immunsystem auszutricksen. Sie werden wieder als krankhaft erkannt und können zerstört werden.

Die Krebsimmuntherapie gilt nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft als ein großer Meilenstein in der Krebstherapie. Erfolge sind vor allem beim schwarzen Hautkrebs und fortgeschrittenem Lungenkrebs erzielt worden. Von der Krebsimmuntherapie profitieren besonders Menschen, bei denen andere Behandlungsformen nicht anschlugen. Sie ist im Gegensatz zur Chemotherapie verträglicher. Eine Chemotherapie beeinflusst das Tumorwachstum, indem sie in die Zellteilung eingreift. Der Immuntherapie liegt ein anderer Mechanismus zugrunde. Sie besteht nur aus körperähnlichen Antikörpern und verwendet keine körperzellschädigenden Stoffe wie die Chemotherapie. Deshalb erzeugen Krebsimmuntherapien deutlich weniger akute Nebenwirkungen. Aber nicht jeder Krebspatient kommt für eine Immuntherapie infrage. Der zu behandelnde Tumor muss die entsprechenden Strukturen (Checkpoints) in ausreichendem Maße ausbilden. Dies ist nicht bei allen Patienten der Fall und muss daher vor einer Behandlung abgeklärt werden. Mehr Informationen zur Krebsimmuntherapie finden Sie unter www.wissen-immuntherapie.de.

Das Nobelkomitee in Stockholm lobte die beiden Wissenschaftler für den Durchbruch in der Krebsforschung: „Ihre Erkenntnisse haben großen Nutzen für die Menschheit gebracht; sie haben den existierenden Krebstherapien eine neue Säule hinzugefügt“.

Der Nobelpreis gilt als die höchste Auszeichnung für Wissenschaftler weltweit. Er ist mit neun Millionen schwedischen Kronen dotiert, was ungefähr 870.000 Euro entspricht. Die Zeremonie zur Verleihung der Nobelpreise findet in jedem Jahr am 10. Dezember im Rathaus von Stockholm statt, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel.