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Vitaminpillen & Co – nützlich oder schädlich?

Vitaminpillen und Co Ein schlagkräftiges Immunsystem ist nicht nur für die Abwehr von Infektionserkrankungen wie Grippe oder Schnupfen wichtig. Es bildet die Basis unserer Gesundheit. Der Markt mit Vitaminpillen und Immunkuren boomt. Doch wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll und wann eher schädlich?

Die gute Nachricht vorweg: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst, wenig Fleisch, dafür mit wertvollen pflanzlichen Fetten versorgt uns ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen und stärkt das Immunsystem. Im Verlauf verschiedener Erkrankungen kann es allerdings zu einer Unterversorgung mit Vitaminen oder Spurenelementen kommen. Gerade bei älteren Krebspatienten ist die Nährstoffversorgung oft nicht ausreichend. Wichtige Nahrungsbestandteile können unter Umständen krankheitsbedingt nicht aufgenommen werden.

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Gerade Krebspatienten haben oft mit Übelkeit oder Appetitmangel zu kämpfen. Eine ausgewogene Ernährung ist oft nicht so einfach umzusetzen. Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel können hier sinnvoll sein. Am sichersten ist es, zusammen mit Ihrem Arzt den genauen Bedarf an Vitaminen oder Spurenelementen festzustellen, um einen Mangel gezielt ausgleichen zu können.

Welches Vitamin macht eigentlich was?

Vitamin D beeinflusst das Immunsystem, indem es die Killer-Zellen gegen Viren und Bakterien mobilisiert. Fehlt Vitamin D, kann das Immunsystem nicht ausreichend reagieren. Carotinoide und Vitamin A unterstützen das Zellwachstum und sind zum Beispiel wichtig für die Regeneration der Schleimhäute während einer Chemo- oder Strahlentherapie.

Viele Vitamine wie Vitamin C, E oder Beta-Carotin wirken als sogenannte Antioxidantien. Das heißt, sie können aggressive Sauerstoffverbindungen im Körper unschädlich machen, die Krankheiten auslösen können. Es gibt Hinweise darauf, dass eine Vitamin-C-reiche Ernährung Lungenkrebs vorbeugen kann. Zudem zeigen Studien, dass hohe Vitamin-C-Gaben unangenehme Nebenwirkungen der Chemo- oder Strahlentherapie lindern können.

Vitamine – ein zweischneidiges Schwert

Tatsächlich können einige Vitamine sich aber auch nachteilig auswirken. Hochdosiertes Vitamin B6 oder B12 kann das Krebsrisiko für Männer erhöhen. Eine langfristig erhöhte Aufnahme von Beta-Carotin steigert möglicherweise gerade bei starken Rauchern das Lungenkrebsrisiko. Raucher sollten Präparate mit mehr als 20 Milligramm Beta-Carotin nicht verwenden.
Vorsicht bei laufenden Therapien: Eine zu hohe Dosis bestimmter Vitamine kann auch den gewünschten Effekt der Chemo- und Strahlentherapie zunichtemachen. Experten warnen grundsätzlich davor, Vitaminpräparate hochdosiert einzunehmen, da nicht alle Wirkmechanismen auf den Körper bekannt sind.

Selen gegen Krebs?

Frühere Untersuchungen deuteten an, dass hohe Mengen an Selen – ein für den Menschen lebensnotwendiger Nahrungsbestandteil – vor Krebs schützen könnte. Darauf folgende Studien konnten dies jedoch nicht bestätigen. Zudem kann die Gabe von Selen das Risiko für andere Erkrankungen steigern und ist in hohen Dosen giftig. Das Leitlinienprogramm Onkologie empfiehlt Selen ausdrücklich nicht zur Krebsvorbeugung.

Zitrusfrüchte – aufs Timing kommt es an

Vitaminpillen-und-Co-Zitrone In der Regel beeinflussen Nahrungsmittel eine Strahlen- oder Chemotherapie nicht negativ. Es gibt aber einige Ausnahmen wie beispielsweise Grapefruits oder Pampelmusen. Sie können die Wirkung von einigen Krebsmedikamenten abschwächen. Am Tag der Bestrahlung sollte zudem eine größere Menge Orangensaft vermieden werden, da sonst Nebenwirkungen an Haut und Schleimhaut verstärkt werden könnten.

Was raten die Experten?

Ob eine zusätzliche Gabe von Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln in Ihrer Situation sinnvoll ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Gerade während einer Therapie sollten Sie unbedingt Ihren Arzt zu Rate ziehen, bevor Sie mit der Einnahme von zusätzlichen Präparaten beginnen. Denn mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf können Sie oftmals schon viel zu Ihrer Lebensqualität beitragen. Worauf Sie bei der Ernährung achten sollten und wie Sie während der Therapie bei Kräften bleiben, erklärt Diplom-Oecotrophologin Ulrike Müller im Interview.